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Melissa (Naschenweng)

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Melissa Naschenweng
Melissa Naschenweng


Schneeweiß und Kunterbunt oder die pinke Welt der Melissa N.

Wie das Tal, so die Menschen. Hart und zart, wild und still, schneeweiß und kunterbunt. Es sind die miteinander aufs engste verbundenen Gegensätze des Lesachtales, die Melissa Naschenweng von Geburt an geprägt haben.

Das Lesachtal gehört zu Kärnten. In Wirklichkeit aber steht das Tal komplett für sich selbst. Die 1.363 Einwohner wohnen im ‚naturbelassensten Tal Europas‘, ihr Dialekt gleicht eher dem Ost-Tirolerischen und wenn es einmal richtig Schnee gibt, dann kann es schon sein, dass der Pflug richtig gut damit zu tun hat, das Lesachtal wieder an die Zivilisation anzubinden. Eingeschneit sein, dass ist da nichts Ungewöhnliches. Die Vorratskammern sind gut gefüllt, soll er nur kommen, der Schnee…

Wikipedia schreibt unter ‚Lesachtal‘ in der Kapitelüberschrift über dessen ‚Söhne und Töchter‘. Alles gut, nur die Töchter fehlen. Fünf Männer sind da angeführt. Es wird Zeit, dass der Eintrag ergänzt wird auf: Melissa Naschenweng, Musikerin aus Birnbaum!

Birnbaum heißt das Dorf. 66 Einwohner. Vor dem Haus der Naschenwengs steht tatsächlich ein Birnbaum. Naschenweng, der Name ist Programm und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass der kleine blonde Wirbelwind mit dem melodischen Vornamen Melissa sich in Omas Kloatzenkrapfen nahezu eingraben konnte. ‚Kletzen heißen bei uns Kloatzen… Die getrockneten Birnen werden gekocht und im Teig mit Zimt, Butter und Zucker serviert… das war volle cool!‘, sagt Melissa und die Betonung liegt auf ‚war‘. Überhaupt findet sie vieles ‚volle cool‘ aber heute verzichtet sie schweren Herzens auf die Krapfen. ‚Knallt ganz schön rein‘, sagt sie und bleibt standhaft. Auf der Bühne, bei ihrer Show, da braucht sie Kraft und Ausdauer. Jedes Kilo zu viel, das kostet Kondition. Bei mehr als 100 Auftritten im Jahr macht das schon was aus. Und die Zahl der Auftritte wächst zurzeit rapide.

Melissa ist in Birnbaum aufgewachsen. Aus dem Tal rauszugehen, so wie es einige Junge taten, kam für sie weniger infrage. Hier war ihr zuhause. Im Stall standen die Kühe und wenn der Oma die Milch zum Kaffee ausging, dann hieß es nicht selten ‚Melissa, gehst bitte in Stall‘. Und Melissa zapfte die Milch direkt aus der Kuh. Vom Euter ins Häferl… ‚Melken kann ich noch immer‘, sagt sie. Nachsatz: ‚Das verlernt man nicht‘.

Das Lesachtal verließ sie in ihren frühen Jahren genau dreimal. Einmal mit der Mutter, als die nach Kitzbühel auf Saison ging und zwei Saisonen lang in der Hornköpfel-Hütte, auf 1.760 Metern, direkt unter dem Kitzbüheler Horn servierte. Und viele Jahre später, als sie weinend im Flugzeug nach Shanghai saß und die Welt nicht mehr verstand…

Ansonsten war immer alles ‚volle cool‘ im Tal. In der Schule war sie ehrgeizig, Schirennen fahren war angesagt und bis zur Lesachtaler Meisterin hat sie es geschafft, später aber zogen die Rennschi gegen die Musik den Kürzeren. Die Musik? Super! Die Harmonika? Eine Süchtig-Macherin! Oma und Opa die am Wolayersee die Berghütte bewirtschafteten, der Opa mit der Harmonika die Gäste unterhielt und der Papa, der mit dem Wolayersee Echo seit ewigen Zeiten Musik macht. Das war ihre Welt. Melissa probte und probte. Der Ehrgeiz trieb sie an und ja, das Ziel war, so richtig gut zu werden. Nur mit dem Auftreten, da hatte sie es nicht so. Vor Menschen spielen? Undenkbar! Lampenfieber und eine mentale Sperre ließen das nicht zu. Über Jahre ging das so. Ihr Harmonikaspiel wurde immer besser, nur zu hören bekam es niemand.

Geshanghait nach Shanghai

Shanghaien – so heißt es, wenn Matrosen mit Gewalt auf ein Schiff  verpflichtet werden. Melissa ging es ähnlich, jedoch gewaltfrei. Vielmehr war da der sanfte aber vorhandene Druck des Papas, als es ein Angebot gab für Audi in China zwei Wochen lang bei Präsentationen zu spielen. Melissa saß die Angst im Nacken. Alleine in China! Noch dazu ihr erster Flug. Aeroflot. Schon vor dem Start war das Heimweh unerträglich. Melissa heulte 12 Stunden lang. Alle im Flugzeug schliefen, nur Melissa schluchzte hemmungslos. In China angekommen, rief sie die Mama an. Sie weinte, flehte, bat eindringlich darum, Jemand solle sie sofort und unverzüglich holen. Einfach nur weg von hier. Mama kam nicht. Papa auch nicht. Blieb nur die Flucht nach vorne.

Tags darauf stieg sie mit einer slowenischen Band im Rücken, die Harmonika umgeschnallt zum ersten Mal auf einen Tisch und gab so richtig Gas. Hunderte Chinesen kriegten die Münder nicht mehr zu und es wurden die schönsten zwei Wochen ihres jungen Lebens. Aus dem Flugzeug stieg schließlich eine andere Melissa als jene, die mit roten Augen abgeflogen war. ‚Des is nimma unsa Diandl‘, sagte die Oma verblüfft, als sie die Enkelin wieder in ihre Arme nahm. Aber sie war es. Melissa, die über ihren Schatten springen musste, kam zurück mit der neuen Sonnenbrille auf der Nase und mit einer neu gewonnener Portion Selbstbewusstsein im Leib. ‚Ich wollte da überhaupt nicht mehr weg‘, erinnert sie sich gerne an China, an das Land, in dem ihr der Knopf aufging.

Die pinke Welt der Melissa N.

Es folgten die Lehr- und Wanderjahre. Erste Management-Verträge, Auftritte im In- und Ausland, die ersten Tonaufnahmen. Stets mit ihr auf Reisen: Die Harmonika und die Lederhose. Die Lederhose ist ihr Supergirl-Kostüm. Steigt sie in die Hose, dann geht beim Lampenfieber das Licht aus. Dann übernimmt die wilde Hummel in ihr das Kommando. Die Krebsfrau holt dann ihren Aszendenten hervor und es regiert die Löwin. Die ersten Erfolge stellten sich ein und als es darum ging sich ein eigenes Harmonika-Modell auszusuchen, da war die Farbe keine Frage: Pink! Ihre Lieblingsfarbe. Schon als Kind hatte sie alles pink und rosa angemalt. Von der Schultasche bis zum Haarreifen. Vier pinke steirische Harmonikas besitzt sie heute bereits und die Instrumente sind mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden.

Fünf Jahre sind seit ihrem chinesischen Erlebnis vergangen. Melissa zählt heute zu den begehrten, heißen jungen Aktien im Musikgeschäft. Sie sammelte Erfahrungen auf Kreuzfahrtschiffen, bei Fernsehauftritten, bei Mini-Sendungen ebenso wie beim Musikantenstadl, auf großen und kleinen Bühnen. Sie ist viel unterwegs, reist mit ihrem Harmonikakoffer kreuz und quer durch Europa. ‚Ich möchte nie sagen müssen, ich hätte für meine Musik nicht alles gegeben‘, sagt sie und ihr entschlossener Blick macht klar, dass hier eine junge Frau gerade dabei ist, ihren eigenen Weg zu gehen. Mentale Stärke zum richtigen Zeitpunkt, emotionale Ausbrüche zum falschen machen den Menschen Melissa aus. Wenn die Tränen laufen, weil sie sich nicht verstanden fühlt, dann laufen sie halt. Was soll‘s!? Und wenn sie glücklich ist, dann lässt sie ihr Publikum an ihrem Glück teilhaben. Sie kann und vor allem, sie will nicht anders sein. Man ist Mensch und keine Sing- und Spielpuppe. Es ist genau diese Offenheit, dieses Unverfälschte dass die Menschen an ihr lieben. Sie ist wie sie ist und so hart das Geschäft auch ist, der Spaß an der Freude überwiegt. ‚Ich habe mich für die Musik entschieden. Darin sehe ich meine Zukunft‘, stellt sie klar und lässt keine Zweifel aufkommen, dass sie, diese zarte Person, nicht die Kraft hat ihren Weg auch zu gehen.  Melissa Wirbelwind. Blondschopf mit pinker Harmonika. Hart und zart, wild und still, schneeweiß und kunterbunt. So wie das Tal ist seine Melissa!



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